Die Familienheim-Genossenschaft Zürich (FGZ) baut ein Anergienetz,
um ihre gut 2'200 Wohnobjekte mit Abwärme von angrenzenden
Energiegrossverbrauchern zu versorgen. Der erste Bauabschnitt des rund 2.5 km
langen Leitungsnetzes sowie ein grosser Erdspeicher für den Transfer von
Sommerabwärme in die Wintermonate werden bis Ende 2014 umgesetzt. Mit der
neuartigen, zukunftsweisenden Wärmeversorgung leistet die FGZ einen wichtigen Beitrag
zur Reduktion des Energieverbrauchs im Areal und macht damit einen Schritt in
Richtung 2000-Watt-Gesellschaft.
Die Familienheim-Genossenschaft Zürich (FGZ)
ist mit ihren rund 2'200 Wohnobjekten und 5'500 Bewohnerinnen und Bewohnern die
grösste zusammenhängende Wohnbaugenossenschaft in der Stadt Zürich. Sie liegt
fast ausschliesslich im kompakten Siedlungsgebiet Friesenberg. Aktuell wird die
Wärme für Heizung und Brauchwarmwasser mit fossilen Brennstoffen durch Öl- und
Gasheizungen zentral in neun Heizanlagen erzeugt. Für die künftige
Wärmeversorgung will sich die FGZ ihre ausgezeichnete Lage inmitten von
Energiegrossverbrauchern (Swisscom Binz, Credit Suisse Üetlihof, Kunsteisbahn
Heuried) zunutze machen. Abwärme aus prozessbedingter Kälteproduktion wird in
ein Rohrleitungsnetz aufgenommen und den Wohngebieten zugeführt. Künftig werden jährlich ca. 10 Gigawattstunden
Abwärme genutzt, und nur noch ein kleiner Teil der alten Gebäude mit fossilen
Energieträgern beheizt werden. Mit der massiven Senkung des Öl- und
Gasverbrauchs kann auch der für das Klima schädliche CO2 -Ausstoss
um 90% reduziert werden. Zudem soll der Energiebedarf des gesamten Gebäudeparks
der FGZ bis ins Jahr 2050 von jährlich 35 Gigawattstunden auf 15
Gigawattstunden gesenkt werden. Davon sollen nur noch 5 Gigawattstunden auf Öl
oder Gas entfallen. Für die Verbindung von Abwärmelieferanten zu
den Abwärmebezügern wird ein 2.5 km langes, gebietsübergreifendes
Rohrleitungsnetz aufgebaut, das Abwärme zu den Häusern transportiert.
Wärmeträger ist reines Wasser. Die Abwärme wird dezentral mittels Wärmepumpen
auf das exakt notwendige Temperaturniveau veredelt.
Da die Abwärme vor allem im Sommer anfällt,
baut die FGZ grosse Erdspeicher zur saisonalen Speicherung der Abwärme. Die
Wärmespeicherung erfolgt mittels Erdsonden, die im Sommer Wärme an das Erdreich
abgeben. Im Winter wird die Wärme dem Erdreich wieder entzogen. Es findet also
im Sommer ein Wärmeübertrag vom Wärmeleitsystem auf das Erdreich und im Winter
vom Erdreich auf das Wärmeleitsystem statt. Unter dem Strich ergibt sich so ein
Wärmetransfer vom Sommer in den Winter. Die FGZ erstellt insgesamt drei
Erdspeicher, die jeweils aus 140 bis 160 Erdwärmesonden bestehen, wobei der
erste derzeit im Zuge des Ersatzneubaus «Grünmatt» entsteht.
Die FGZ strebt eine umfassende Nachhaltigkeit
an, also eine Nachhaltigkeit, die sowohl die soziale («zahlbare Wohnungen»),
die ökologische als auch die wirtschaftliche Dimension einbezieht. Ziel ist,
sozialverträgliche Sanierungen von Altbauten sowie energetisch vorbildliche
(Ersatz-)Neubauten zu realisieren. Eine Arealvernetzung, welche die Nutzung von
Abwärme erlaubt, ist für die FGZ vor allem deshalb vorteilhaft, weil die
FGZ-Bauten, was die Abwärmeverfügbarkeit anbelangt, ausgesprochen günstig
liegen. Zudem können auch alte Häuser zu einem grossen Teil mit Abwärme beheizt
werden. Für die Abwärmelieferanten ist die Vernetzung
mit dem Wohngebiet der FGZ ebenfalls äusserst spannend: Durch die ins Netz eingebundenen
Erdspeicher kann direkt gekühlt werden. Man spricht von sogenanntem Geocooling.
Dadurch werden die Kältemaschinen und Rückkühleinheiten entlastet, wodurch
wiederum der Strombedarf für die Kälteproduktion reduziert wird. Ausserdem wird
die überflüssige Abwärme aus den Prozessen für eine weitere sinnvolle Nutzung
verwendet, welche eine CO2-optimierte Beheizung von Wohnungen
zulässt.
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