Donnerstag, 10. November 2011

IEA: Verhaltener Ausblick

Die Internationale Energie Agentur (World Energy Agency, IEA) hat ihre Prognose zu Energie und Klima veröffentlicht. Die Rolle der Atomkraft zur globalen Energiegewinnung bewertet sie weiterhin hoch, zurückhaltend ist hingegen ihre Erwartungshaltung an die Entwicklung Erneuerbarer Energien.

Der World Energy Outlook (WEO) erscheint jedes Jahr im November. Er enthält Angaben über derzeitige und zukünftige Energiekosten sowie eine umfangreiche Statistik über sämtliche Bereiche der weltweiten Energieversorgung. Auf Basis dieser Statistik werden verschiedene Szenarien entwickelt, in denen mögliche künftige Auswirkungen verschiedener Entwicklungen und Maßnahmen aufgezeigt werden. In der ungefähr 600-seitigen Veröffentlichung wird die Rolle der Atomkraft traditionell sehr hoch bewertet, so auch 2011. Deutschland und Belgien haben nach dem Reaktorunfall im japanischen Fukushima ihren Atomausstieg angekündigt - trotzdem geht die IEA weiterhin von einem nur unmerklichen Rückgang der globalen Atomkraftkapazität aus. Sven Teske, Energieexperte von Greenpeace International, bezeichnet die aufgezeigte Entwicklung der Atomkraft in allen Szenarien als realitätsfern.

Auch Kohle wird eine große Rolle zugeschrieben. Vor allem Länder wie China und Indien, die derzeit eine Phase rasanten wirtschaftlichen Wachstums erleben, versuchen ihren gigantischen Energiebedarf durch Kohlekraft zu decken. Um dramatische Folgen für das Klima zu vermeiden, fordert Teske daher einen konsequenten Verzicht auf Energie aus Kohlekraft.

Der Anteil der Erneuerbaren Energien wird, abhängig vom jeweiligen Szenario, für 2035 auf 32 bis 44 Prozent prognostiziert. Für eine Einschätzung von Langzeitfolgen ist der Zeitraum bis 2035 im WEO allerdings zu kurz. Greenpeace und der Europäische Rat für Erneuerbare Energien (EREC) haben 2010 einen eigenen Fahrplan für eine konsequente Energiewende entworfen: Energy [R]evolution: A Sustainable World Energy Outlook. Basis dieser Prognose sind die Zahlen der IEA und berücksichtigt wird der Zeitraum bis zum Jahr 2050.

Der Bericht betont vor allem zwei Aspekte: Zum einen bieten die Erneuerbaren Energien Unabhängigkeit von den Treibstoffpreisen auf dem Weltmarkt, zum anderen entstehen durch sie Millionen neuer, grüner Arbeitsplätze. Dem Energy [R]evolution-Konzept folgend entstünden weltweit 33 Prozent mehr Arbeitsplätze im Energiesektor als bei der gegenwärtigen Energiepolitik. Der Höhepunkt der CO2-Emissionen wäre laut Energy [R]evolution-Szenario 2015 erreicht, bis 2050 sänken die Emissionen im Vergleich zu 1990 um 80 Prozent. 95 Prozent der Elektrizität könnten 2050 aus Erneuerbaren Energien stammen.

Eine nachhaltige Zukunft unseres Planeten hängt vom politischen Willen ab, in Erneuerbare Energien zu investieren, statt weiter auf begrenzte, schmutzige fossile Brennstoffe zu setzen.

Quellen: World Energy Outlook / Sonnenseite / Greenpeace | Bastian Satthoff

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